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[10.] The Boyf(r)iend Factor

Ich atme tief ein und die kalte, feuchte Nachtluft füllt meine Lungen. Ich sehe meine Hand auf der Türklinke der alten, schweren Holztür vor mir. Einen Moment lang verharre ich regungslos, vergegenwärtige mir die heilige Mission, die mich treibt, verzehrt, beflügelt; langsam drücke ich die Klinke nach unten – und betrete die Party.

Obwohl ich erst eine knappe Stunde nach Beginn der Feier eintreffe, ist die Menge der Anwesenden immer noch recht überschaubar, der Anteil mir bekannter Gesichter gar verschwindend gering. Eine großzügig dimensionierte Begrüßungs- und Shakehands-Phase im einstelligen Minutenbereich später steuere ich meiner Bestimmung entgegen – den eisgefüllten Wannen mit dem Freibier. Das lästige Engelchen auf meiner linken Schulter versucht noch irgendwas zu brüllen, bevor es von der Kugel eines unbekannten Heckenschützen niedergestreckt wird, den die Ballistiker später auf der gegenüberliegenden Schulter vermuten werden. Und so beginne ich zu trinken…

…und höre so schnell nicht damit auf. Inzwischen ist die Party in vollem Gange und die Schar der Feiernden beträchtlich angewachsen. Ich habe meinen Standort gewechselt und sitze hinter der Absperrung an der Musikanlage – schließlich kennt man die Verantwortlichen des Events. Und so widme ich mich der Zusammenstellung der musikalischer Beschallung, stets peinlich genau bemüht, mich nicht weiter als eine Armlänge vom Biernachschub zu entfernen. Dass sich zu den üblichen Party-Hits jetzt immer mal wieder Songs mit erhöhtem Metallgehalt gesellen, scheint niemanden zu stören; im Gegenteil, neben gelegentlichen Musikwünschen nehme ich nicht selten auch überschwängliches Lob für meine Auswahl entgegen.

Ein Promille später stehe ich hinter der Theke und lasse meinen Blick über die wabernde Masse schweifen, gleichsam amüsiert und fasziniert, wie intensiv sich die Leute an der Musik berauschen. Auf einmal fällt mir ein hübsches Mädel auf, das ihren Konversationspartner gekonnt ignoriert und mich stattdessen immer wieder anlächelt. Nachdem ich mich unauffällig vergewissert habe, dass sie nicht lacht, weil irgendeins meiner Kleidungsstücke in Flammen steht, nehmen meine beiden Notfall-Gehirnzellen ad hoc den Dienst auf; ich wechsle vom alkoholinduzierten Schwanken in eine halbwegs lässig wirkende Körperhaltung und lächle zurück.

Es begibt sich also kurz darauf, dass man sich gegenüber sitzt und sich lebhaft unterhält. Zu meiner Überraschung stelle ich fest, dass wir pratkisch ein und denselben Musikgeschmack haben und auch in Sachen Humor auf einer Wellenlänge liegen. Und so lachen wir über allerlei Albernheiten, fachsimpeln über Songs und Alben aus der etwas härteren Sparte und verziehen gemeinsam das Gesicht, wenn sich wieder mal jemand irgendeinen abgedroschenen Hip-Hop-Titel wünscht. Die Chemie zwischen uns scheint einfach zu stimmen, so dass ich nicht leugnen kann, die Situation überaus zu genießen…

In der Tat manifestiert sich nach einiger Zeit kontinuierlich die Idee in mir, sie nach ihrer Nummer zu fragen – sympathisches Auftreten und gutes Aussehen, was will man(n) schließlich mehr? Also beginne ich geistig an einem kessen Spruch zu feilen, als plötzlich irgendwas von außen an meinem Bewusstsein kratzt. Ich leite meine begrenzte geistige Kapazität wieder auf ihre fröhlichen Ausführungen und nehme gerade noch so die zwei Worte wahr, die es mir erlauben, meine rhetorischen Bemühungen drastisch abkürzen: „mein Freund“.

Nachdem die Zwillings-Neuronen meine Aufmerksamkeit noch lange genug aufrecht erhalten haben, um mich zu vergewissern, dass sie mir tatsächlich gerade offenbart hat, einen festen Freund zu haben und nur so aus Spaß an der Freude mit mir flirtet was das Zeug hält, verabschieden sie sich ausgebrannt in den wohlverdienten Feierabend. Als mich mein Gegenüber wenig später mit ernster Miene fragt, ob das plötzliche Defizit in meinem Konversationsbemühungen darauf zurückzuführen sei, dass sie ihren Freund erwähnt hat, bin ich gerade noch höflich genug, dies in erster Instanz zu verneinen. Seltsamerweise scheine ich nicht sonderlich überzeugend zu klingen – zumindest entnehme ich dem verächtlichen Vorwurf, mein Verhalten sei „typisch Mann“, dass sie mir meine Leugnung nicht abgekauft hat.

Ja, wir Männer sind nun mal so; wenn uns die holde Weiblichkeit zu verzaubern versucht, gehen wir – naiv und lüstern wie wir sind – nun mal davon aus, dass sie ein etwas tiefergehendes Interesse hat, als einfach nur ihre Flirtfähigkeit auszuloten. Aber Irren ist ja bekanntlich männlich…

Kurz darauf sitze ich wieder alleine da und stelle fest, dass der Alkohol in meinem Blut doch noch ein wenig Unterstützung gebrauchen könnte, um endgültig die Oberhand zu gewinnen. Ich beschließe, zu Ende zu bringen, was ich begonnen habe und greife beherzt in das Eiswasser mit den Bierflaschen – den gequälten Aufschrei meiner Leber komplett ignorierend. Als meine Hand ohne Beute wieder auftaucht, wird mir klar, dass das Bier wohl alle ist – und die Party zu Ende.

GuNNy

3.12.06 22:20
 


bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Katjana / Website (3.12.06 22:24)
*ggg* Sehr nett.... :-)


Paladin Sacrosanctus / Website (4.12.06 02:18)
Ok, den Auftrag nehm ich gratis an! Ich brauche nur ein Zielphoto...


Dom (13.12.06 12:29)
Dranbleiben beim nächsten mal... Vielleicht ist der Grund für ihr Flirtpotential ja der, dass ihr Freund nicht zu ihr passt und sie ihn nur hat um nicht single zu sein... Stay wicked

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