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[7.] Interludium

Nun ist es also passiert. Unter dem frenetischen Jubel der Massen hing das GuNblog die gesamte letzte Woche in den Seilen. Schuld daran waren aber weder fehlende Motivation noch schöpferisches Desinteresse oder gar Skrupel, die Leute weiter mit meinem Unsinn zu belästigen. Vielmehr waren es zweierlei Widrigkeiten, die sich dafür verantwortlich zeigten, dass ich das Blog erstmal außen vor lassen musste.

Zunächst einmal hatte ich tatsächlich keine Zeit, eventuelle geistige Eskapaden oder heroische Abenteuer niederzuschreiben. Meine Neigung, alles was auch nur im Entferntesten mit Arbeit zu tun hat, bis zum letztmöglichen Termin aufzuschieben, hat mal wieder eingeschlagen wie eine Bombe. So hab ich die letzten Tage fast ausschließlich damit verbracht, mich durch Myriaden von Seiten voller Spannung, Dramatik und Leidenschaft zu quälen. Wird das Gruppeninterview herausfinden, dass der postalische Fragebogen sein lange verschollener Halbbruder ist? Kann der teuflische Plan der halbstrukturisierten Standardisierung wirklich gelingen? Und welches tödliche Geheimnis verbirgt sich hinter der mysteriösen Rücklaufstatistik? Dies und noch viel mehr hat mich im Rahmen meiner Literaturarbeit für das bevorstehende Feldforschungspraktikum beschäftigt. Ich habe mich durch englische Texte gearbeitet, die nach dem Anstreichen mehr gestrahlt haben als die Neonreklame eines Tschernobyller Waldpilzhändlers. Ich habe mit Un-Sätze geltungssüchtiger Fachidioten gerungen, die trotz ihrer abenteuerlichen Länge und ihrem Fremdwortanteil jenseits aller Toleranzschwellen inhaltsfreier waren als ein Schreibmaschinentext von einem blinden Schimpansen. Und ich habe mich mit Aufgabenstellungen konfrontiert gesehen, deren Auftrag mir ähnlich klar war wie die Grundlagen altpersischer Nuklearphysik. Unterm Strich also jede Menge Spiel, Spaß und Spannung - nur eben ohne Spiel, Spaß und Spannung, dafür mit weniger Freizeit und mehr stumpfer Langeweile.

Der andere Faktor, der das Dahinvegetieren des Blogs bedingte, war die Tatsache, dass schlicht nichts wirklich Interessantes passiert ist. Während in der vorletzten Woche ein mehr oder minder erwähnenswerter Unfug den nächsten jagte, war die letzten Tage einfach absolut tote Hose. Klar, ich hätte die alten Themen aufgreifen und von ihren aktuellen Entwicklungen berichten können; etwa von den hysterischen Zusammenbrüchen am Tiefkühlregal mit Pizza im Sonderangebot oder von den Erfolgen meiner kulinarischen und sportlichen Selbstzüchtigung - die allerdings in Ermangelung einer Waage nach wie vor per Augenmaß geschätzt werden. Oder davon, wie Grillgut und die Kunst, bei voller Fahrt über den Lenker vom Rad abzusteigen meine Bemühungen in Sachen Fitness torpediert haben.

Vielleicht hätte ich auch erzählen können, wie die Erlanger Radfahrer wieder einmal unter Beweis gestellt haben, dass sie sich mit Buttermilch eine Stufe auf der geistigen Evolutionsleiter teilen. Zumindest nehme ich stark an, dass Leute nicht besonders intelligent sein können, die trotz intensivem, gegenseitigen Blickkontakt mit einem potentiellen Kollisionsobjekt das Vorfahrtsrecht einfach ignorieren. Naja, deshalb hab ich die Dame dann ja auch knapp und fast freundlich auf das Rechts-vor-Links-Prinzip hingewiesen - nachdem wir per Vollbremsung auf Tuchfühlung gegangen sind. Und auch in Sachen Weitsicht bekleckert man sich hier nicht gerade mit Ruhm. Wenn es vor der Unterführung bergab geht, kann man natürlich aufhören, in die Pedale zu treten. Schließlich geht's ja bergab, da kann man sich erholen. Oder aber man nutzt die Gelegenheit um Schwung zu holen, damit man auf der anderen Seite, wo es - völlig unerwartet - wieder bergauf geht, nicht keuchend und schlingernd die Menschen mit einem positiven IQ behindert.

Ich hätte auch erzählen können, wie eine höhere Macht ganz offenbar Gefallen daran gefunden hat, mich durch die strategische Positionierung schwarzgewandeter Schönheiten abzulenken. Die Konsequenzen reichen dabei vom fahrlässigen Unaufmerksamkeit in diversen Studienveranstaltungen über spontan eintretende kommunikative Unzulänglichkeiten bis hin zum erhöhten Todesrisiko, etwa beim Hochgeschwindigkeitsslalom in der Erlanger Fußgängerzone. Aber was will man machen - jetzt wo die wärmeren Temperaturen auch die dunklere Seite der Damenwelt zur Stoffminimierung bewegen, muss man als aufrichtiger Gentleman die Ladies eben besonders aufmerksam begutachten - um sie gegebenenfalls auf Sonnenbrand oder Hautrötungen aufmerksam machen zu können.

Wie man sieht, lassen sich all diese Kleinigkeiten ganz gut als Füllmaterial für einen Eintrag wie den heutigen verwenden. Für eine eigene erschöpfende Betrachtung hat es aber nicht gereicht. Und bevor ich mir was völlig Bescheuertes aus den Fingern sauge, warte ich lieber, bis mir der Alltag diesen Ball zuspielt - das bedarf wesentlich weniger kreativer Anstrengung und ich kann alle Schuld von mir weisen, was absurden Inhalt und manifeste Sinnlosigkeit anbelangt.

Nun gut, so viel also zur Bloglosigkeit der letzten Tage. Mal sehen, ob die kommende Woche das Ruder rumreißen kann oder ob das GuNblog weiter in den gähnenden Abgrund der Nutzlosigkeit abgleitet. Aber ich bin recht zuversichtlich, was das angeht; nicht zuletzt wegen einer kleinen, düsteren Eingebung, dass mein baldiges Feldforschungspraktikum in einer wüsten Keilerei und erbarmungslosen Schimpftirade enden wird - schließlich gehts in die vierte Klasse der hiesigen Grundschule.

GuNNy
13.5.06 19:23
 


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