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[6.] Straßenschlacht

Das Verhältnis zwischen Autofahrern, Radfahrern und Fußgängern ist bekanntlich nicht gerade harmonisch; seit Äonen kommt es kontinuierlich zu Konflikten zwischen den Parteien. Und doch ist es bisher noch nicht zu organisierten Massenschlägereien zwischen militanten Angehörigen der Gruppen gekommen. Das lässt nur einen Schluss zu: Es muss so etwas wie einen minimalen Grundkonsens geben, der es erlaubt, dass alle mehr oder minder friedlich in der wunderbaren Welt des Straßenverkehrs koexistieren.

In Erlangen ist alles anders. In Erlangen ist Krieg. Hier köchelt keine latente Abneigung gegen andere Verkehrsteilnehmer vor sich hin - hier brodelt auf den Straßen der blanke Hass eines jeden gegen jeden. Rücksicht ist ein Fremdwort, Verkehrsregeln sind Auslegungssache und meine Wenigkeit ist mitten drin statt nur dabei.

Wie immer schaffe ich es, exakt fünf Minuten zu spät aus dem Haus zu kommen. Manchmal frage ich mich, woher ich diese Gabe habe. Oder ob ich mir ein Superheldenkostüm schneidern sollte, um sie dann zum Wohle der Menschheit einzusetzen. Ich behalte den Gedanken im Hinterkopf und schwinge mich hektisch auf mein Bike. Die Musikkonserve donnert los und ich starte in Richtung Uni. Die fünf Minuten aufzuholen sollte kein Problem sein...

Ist es eigentlich auch nicht. Wären da nicht die beiden Rentner die sich direkt vor mir ein rasantes Kopf-an-Kopf-Rennen bei halsbrecherischen 5 km/h liefern. Wodurch sie den kompletten Radweg blockieren. Offenbar sind die beiden so im Adrenalinrausch, dass sie mich nicht bemerken, geschweige denn vorbei lassen. Mangels Klingel muss ich mich anderweitig bemerkbar machen. Kein Problem. Unmittelbar hinter den beiden Silberpfeilen schalte ich in einem Wimpernschlag drei Gänge runter. Meine Kette rattert über die Zahnkränze und klingt dabei wie ein Maschinengewehr mit Keuchhusten. Die beiden Senioren reißen vor Schreck die Lenker zur Seite. Ich jage zwischen ihnen hindurch.

Wie ein Geisteskranker strampelnd erreiche ich eine Kreuzung. Rechts vor Links. Ich komme von rechts. Das stört die drei Tonnen Guss-Eisen mit dem Volvo Logo kein bisschen. In Sekundenbruchteilen berechne ich mittels hochkomplizierter mathematischer Gleichungen aus den Bereichen Kinetik, Gravitationstheorie und Quantenelektrodynamik, dass ich vermutlich mit meinem Bike zu einem symbiotischen Brikett gepresst würde. Ich bremse scharf. Der Volvo rauscht vorbei. Ich fluche. Ausgiebig.

Schließlich erreiche ich die Stadt. Bald erspähe ich einen Pulk aus Anzügen, der mir entgegenwabert. Kein Problem, die Gehsteige sind großzügig dimensioniert und die Radwege farblich klar gekennzeichnet. Doch Siemens muss räumliches Sehen und Farbtüchtigkeit aus den Einstellungskriterien gestrichen haben; die Krawattenträger schwärmen über die komplette Breite des Bordsteins aus. Selbstverständlich machen die Herrschaften keinerlei Anstalten, sich vom Radweg zu entfernen, als sie mich erblicken. Wessen Sekretärin den besseren Kaffee kocht, ist viel interessanter als dieser entgegenkommende Radfahrer auf Kollisionskurs. Vielleicht schnüren ihnen ihre Schlipse ja auch einfach die Luftzufuhr zum Gehirn ab. Im letzten Moment steige ich voll in die Eisen und weiche dem Rudel aus. So knapp wie möglich.

Allen Widrigkeiten zum Trotz bin ich fast an der Uni angekommen - erstaunlicherweise körperlich unversehrt und kaum zu spät. Jede Gruppe hatte ihren Gastauftritt; Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger haben wieder mal alles gegeben. Doch um einen waschechten GuNNy aufzuhalten, braucht es schon etwas mehr als nur den ganz normalen Erlanger Verkehrswahnsinn.

... Hat mich da gerade wirklich ein Go-Kart überholt?!

GuNNy
4.5.06 23:17
 


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