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[1.] Und nun?

Hier sitze ich also vor meinem frisch geschaffenen Blog und frage mich ernsthaft, wo genau das eigentlich hinführen soll...

Als ich heute nach Hause radelte und sich meine Gedanken wiedermal mit der unglaublichen Geschwindigkeit von gehbehinderten Betonklötzen überschlugen, kam sie mir: die glorreiche Idee, nicht nur meine unmittelbare Umwelt mit meinen geistreichen Kommentaren und stets immens interessanten Alltagsanekdoten zu erfreuen, sondern auch Leute damit zu belästigen, die hunderte von Kilometern entfernt sind. Da Telefone was für Mädchen und alte Menschen sind und die Massenoffenbarung per Instant-Messenger viel zu viel Aufwand meinerseits erfordern würde, blieb eigentlich nur eine vernünftige Möglichkeit: Rauchzeichen aus brenneneden Autoreifen.

Nach einigen Verbalinjurien von hinterm Gartenzaun und einem kurzen Handgemenge mit Mitgliedern der örtlichen freiwilligen Feuerwehr wurde dieser Plan aufgegeben und statt dessen das Bloggen als Alternative in Betracht gezogen.

So ein Ding war überraschend schnell erstellt und alsbald tippte ich auch schon munter die ersten Zeilen ... und löschte sie wieder ... und tippte sie wieder ... löschte sie wieder und so weiter und so fort.

Es ist gar nicht mal so einfach, so ein Blog zu schreiben. Klar, irgendwelchen stumpfen Nonsens eintippen kann auch Mojo, der lustige Schimpanse, aber wenn man sich mal ein paar Gedanken macht über das, was man da eigentlich fabriziert sieht die Sache schon ganz anders aus. Es drängen sich Fragen auf wie:

- Nur weil ich heute meine geistigen Eskapaden als bloggenswert erachte, bedeutet das, dass sich das künftig regelmäßig wiederholt?
- Wird das Blog länger als zwei Tage überleben oder wird es an akutem Desinteresse zugrunde gehen wie meine Zimmerpflanzen, Sportaktivitäten und Weltherrschaftspläne?
- Will überhaupt jemand diesen Schund lesen? ... wartet, streicht das, das ist mir im Prinzip egal, ich ZWINGE die leute einfach dazu.
- Wenn Gott gewollt hätte, dass wir Hosen tragen, warum steht in der Bibel kein Wort über Jeans oder Cargos?

Da ich trotz meiner unglaublichen Weisheit und des Wochenendkurses im Wahrsagen keine Antworten auf diese Fragen präsentieren kann, bleibt nur eins: Abwarten und Blog schreiben. Die Zeit wird zeigen, ob das hier was wird, oder ob diese Idee im Rundordner landet - zusammen mit meinen Plänen von Interkontinentalreisen per Katapult oder kohlebetriebenen Solarzellen.

In diesem Sinne, viel Spass beim Lesen und Kommentieren...

GuNNy
24.4.06 15:32


[2.] So long, Little Siberia...

Nach nunmehr zwei Monaten mutwilliger Untätigkeit sind die Semesterferien endlich vorbei. Nun gilt es wieder eifrig zu studieren. Oder zumindest regelmäßig in die Uni zu fahren. Schließlich wollen wir es mal nicht übertreiben mit dem akademischen Tatendrang. Den habe ich übrigens von eBay - billig, neuwertig, ohne Garantie.

Und so setze ich mich gestern morgens also auf mein Bike (erschreckender Weise weder verrostet, kaputt noch zu feinem Staub zerfallen) und gurke los. Bald darauf überkommt mich dieses komische Gefühl, dass irgendwas fehlt. Nach kurzem Grübeln trifft es mich wie Mike Tyson seine Ehefrau: schnell, hart und mitten ins Gesicht.

Meine Finger lassen die höllischen Schmerzen heute mal ausfallen, meine Innenschenkel gefrieren nicht, mir kommen keine Soldaten der 6. Armee auf dem Weg in sowjetische Kriegsgefangenschaft entgegen und keine Naturgewalt versucht mir zu beweisen, wer von uns beiden die Hosen an hat...

Es ist Frühling. Und angenehm warm. Die Straßen sind eisfrei und sauberer als mein Fußboden. Ich fahre hemdsärmlig durch eine sanfte Brise und blühende Vorstadtgärten, die verblüffende Ähnlichkeit mit dem sibirischen Ödland haben, das letztes Semester noch hier war. Ich frage mich, wo es hin ist. Wahrscheinlich fertig mit dem Studium und bei Siemens eingestiegen...

Ich muss zugeben, es ist ein nettes Gefühl, sich keine Gedanken machen zu müssen, ob man gerade einem grausamen Tod entgegenradelt, der sich in der nächsten Wolkenfront oder auf dem Asphalt der nächsten Kurve versteckt. Es ist - zumindest fürs Karma - sicherlich auch nicht schlecht, keine Kindern oder Rentner auf ihren Rädern durch Kurven treiben zu müssen, um zu prüfen, ob sie zu glatt für Radfahrer sind. Und nicht völlig dreckverkrustet in der Uni aufzutauchen, weil die Schutzbleche vor mehreren tausend Litern Schlamm, Matsch, Eis, Schnee, Salz, Streukieseln und Blut (v.a. von Kindern und Rentnern in Kurven) kapitulierten, ist sicherlich auch positiv erwähnenswert.

Klingt also ganz so, als wäre der Frühling eine tolle Jahreszeit. Grund genug, ihn mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Morgen in BILD... äh, GuNblog.

GuNNy
25.4.06 22:39


[3.] Aesthetic Studies

Okay, ich gebe zu, dass Radfahren bei warmer Frühlingssonne wesentlich angenehmer ist als bei einem arktischen Schneesturm. Zudem ist es nicht ganz so schmerzhaft und signifikant weniger lebensgefährlich. Das wirft auf den ersten Blick ein durchaus positives Licht auf den Frühling. Aber wenn man mal genauer hinschaut, wird einem schnell klar, dass man diese Annehmlichkeiten nicht gerade umsonst bekommt...

Verschwunden sind die wagemutigen Amateur-Artisten auf ihren tollkühnen Drahteseln, die allerorts die Massen mit ihren akrobatischen Manövern berauschten - natürlich gratis, getrieben nur von eigenem Ehrgeiz, Glätte und Schwerkraft. Weg ist der adrenalingeschwängerte Nervenkitzel, dass die Fahrt zum Supermarkt drei Häuserblocks weiter die letzte sein könnte, die man jemals unternimmt. Hinfort ist das himmlische Gefühl der Schwerelosigkeit, Sekunden bevor man mit dem Gesicht auf dem nicht geräumten Radweg aufschlägt ...

Aber gut, dafür bringt uns der Frühling immerhin Wärme und Sonne, das ist doch schonmal ein Anfang. Und tatsächlich, als ich gestern mittags durch die Erlanger Innenstadt radle, stelle ich zu meinem Entzücken fest, dass ein Großteil der holden Weiblichkeit seine Kleidung den warmen Temperaturen angepasst hat. Überall blitzen mir tiefe Dekoltées, hauchdünne Spaghettiträger und funkelnde Bauchnabelpiercings entgegen. So begutachte ich also die ein oder andere Passantin - ausschließlich aus wissenschaftlichem Interesse an der neuen Frühjahrsmode, versteht sich - und fahre hie und da beinahe einige achtlose Passanten über den Haufen, von denen erstaunlich viele auch Modewissenschaftler zu sein scheinen. Der Frühling scheint doch nicht so schlecht zu sein, wie ich anfangs dachte.

Oder vielleicht doch? Rasch merke ich, dass ich mich zu früh gefreut habe. Denn nicht nur die Mädels, die es sich erlauben können, haben sich in ihre neuen Frühjahrsfummel geschmissen. Auch die, die das Geld lieber in ein Fitnessvideo hätten investieren sollen - oder einen Fotoband über Ästhetik. Ich frage mich, wann es aus der Mode gekommen ist, seinen Körper zumindest halbwegs in Form zu bringen, bevor man ihn in knapper Kleidung der Öffentlichkeit präsentiert ...

Bei den gutaussehenden Gothic Ladies gelten übrigens andere Regeln: Auch bei wärmsten Sonnenschein geht nichts ohne Ranger-Stiefel, bodenlange Röcke und wenig zeigefreudige Oberteile. Ich frage mich, ob den Mädels in Schwarz nicht verdammt heiß sein muss, vermute dann aber, dass ihre sexy-kühle Aura die aufstauende Hitze wohl noch komplett kompensieren kann. Man darf aber gespannt sein, ob sich da bei steigenden Temperaturen nicht auch noch ein bisschen was an der Kleidung tut. Zu hoffen wärs - natürlich nur im Interesse der Gesundheit der Damen. Mit einem Hitzschlag ist nicht zu spaßen...

Die weniger ästhetisch geformten Geschöpfe der Nacht kopieren übrigens zum Großteil den unverantwortlichen Kleidungsstil ihrer Mainstream-Pendants. Nur in Schwarz. Leider.

Alles in allem ein durchwachsener erster Eindruck, den der Frühling hier hinterlässt. Nächstes mal fahren wir mit der Betrachtung fort. Da schauen wir uns mal an, welche Konsequenzen das sonnige Wetter für den handelsüblichen GuNNy hat. Denn der muss seinen Körper auch erstmal formen, so wie oben beschrieben. Nicht weil er sonst um die Glaubwürdigkeit fürchten müsste, die er nie hatte. Sondern weil irgendwo just in diesem Moment ein süßes GuNNy-Weibchen vor ihrem PC sitzt und über ihre Abneigung gegen unästhetische Männerkörper bloggt...


GuNNy
26.4.06 23:11


[4.] Reine Formsache

Bisher war die Vorstellung, die der Frühling abgeliefert hat, nicht gerade berrauschend. Angenehme Temperaturen und die freizügige Frühjahrsmode für Damen reichten angesichts launischer Wetterumschwünge und dem abstoßenden Missbrauch der neuen Freizügigkeitswelle durch Ästhetik- Terroristinnen allenfalls für ein apathisches Schulterzucken auf der nach oben offenen GuNNy'schen Begeisterungsskala. Naja, hätte schlimmer kommen können. Doch da wäre noch eine Kleinigkeit...

Beherzt greife ich nach dem schwarzen Hemd. Größe M. Kurze Ärmel, frühlingstauglich. Sollte passen, hat's früher schließlich auch. Ich gehe noch schnell in die Umkleidekabine. Nicht um zu sehen ob es passt - natürlich wird es passen - sondern ob es optisch okay ist. Als ich es anziehe, stutze ich. Verdammt, ich glaub ich hab eins in S erwischt. Deswegen erfordert das Zuknöpfen so abnormal viel rohe Gewalt . Deswegen hab ich gewisse Ähnlichkeit mit einer Presswurst aus den Untiefen der Hölle. Das wird es sein. Ich hab mich verguckt. Das Etikett schlägt mir kalt lächelnd mit dem Handrücken ins Gesicht: M.

Wieder zuhause sitze ich in meinem neuen Hemd - Größe L - da und überlege, wessen Schuld das ist, was da gerade passiert war. Ich schwöre, nicht eher zu ruhen, bis ich die Verantwortlichen gefunden und ihrer gerechten Strafe zugeführt habe - und wenn das Letzte ist, was ich tue! Ich werde sie mit loderndem Zorn richten, auf dass sie brennen sollen in den ewigen Feuern der ...

Momentmal. Könnte es etwa sein, dass die Wampe vom letzten Semester herrührt, in dem ich mich mehr für die neuesten Forschungen und Entwicklungen in Sachen Junk Food als für meine Psychologievorlesungen interessiert habe? Oder von den zwei Monaten Semesterferien, in denen ich hauptsächlich zwischen Computer, Kühlschrank und Bett hin und her gependelt bin?

Ich beschließe, dass es unnötig und übertrieben ist, sich weiter mit der Frage der Schuld zu beschäftigen. Mir wird klar, dass ich stattdessen einen teuflischen Plan brauche, um die Verwechslungsgefahr mit einem untersetzten Waschbären in Schwarz zu reduzieren und in der Öffentlichkeit auch ohne weite, schwere Pullover wieder ein ordentliches Bild abzugeben - insbesondere in den kritischen Augen des zarten Geschlechts. Das wird ein Spass. Danke, Frühling. Ganz toll. Ehrlich.

GuNNy
29.4.06 14:37





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