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[7.] Interludium

Nun ist es also passiert. Unter dem frenetischen Jubel der Massen hing das GuNblog die gesamte letzte Woche in den Seilen. Schuld daran waren aber weder fehlende Motivation noch schöpferisches Desinteresse oder gar Skrupel, die Leute weiter mit meinem Unsinn zu belästigen. Vielmehr waren es zweierlei Widrigkeiten, die sich dafür verantwortlich zeigten, dass ich das Blog erstmal außen vor lassen musste.

Zunächst einmal hatte ich tatsächlich keine Zeit, eventuelle geistige Eskapaden oder heroische Abenteuer niederzuschreiben. Meine Neigung, alles was auch nur im Entferntesten mit Arbeit zu tun hat, bis zum letztmöglichen Termin aufzuschieben, hat mal wieder eingeschlagen wie eine Bombe. So hab ich die letzten Tage fast ausschließlich damit verbracht, mich durch Myriaden von Seiten voller Spannung, Dramatik und Leidenschaft zu quälen. Wird das Gruppeninterview herausfinden, dass der postalische Fragebogen sein lange verschollener Halbbruder ist? Kann der teuflische Plan der halbstrukturisierten Standardisierung wirklich gelingen? Und welches tödliche Geheimnis verbirgt sich hinter der mysteriösen Rücklaufstatistik? Dies und noch viel mehr hat mich im Rahmen meiner Literaturarbeit für das bevorstehende Feldforschungspraktikum beschäftigt. Ich habe mich durch englische Texte gearbeitet, die nach dem Anstreichen mehr gestrahlt haben als die Neonreklame eines Tschernobyller Waldpilzhändlers. Ich habe mit Un-Sätze geltungssüchtiger Fachidioten gerungen, die trotz ihrer abenteuerlichen Länge und ihrem Fremdwortanteil jenseits aller Toleranzschwellen inhaltsfreier waren als ein Schreibmaschinentext von einem blinden Schimpansen. Und ich habe mich mit Aufgabenstellungen konfrontiert gesehen, deren Auftrag mir ähnlich klar war wie die Grundlagen altpersischer Nuklearphysik. Unterm Strich also jede Menge Spiel, Spaß und Spannung - nur eben ohne Spiel, Spaß und Spannung, dafür mit weniger Freizeit und mehr stumpfer Langeweile.

Der andere Faktor, der das Dahinvegetieren des Blogs bedingte, war die Tatsache, dass schlicht nichts wirklich Interessantes passiert ist. Während in der vorletzten Woche ein mehr oder minder erwähnenswerter Unfug den nächsten jagte, war die letzten Tage einfach absolut tote Hose. Klar, ich hätte die alten Themen aufgreifen und von ihren aktuellen Entwicklungen berichten können; etwa von den hysterischen Zusammenbrüchen am Tiefkühlregal mit Pizza im Sonderangebot oder von den Erfolgen meiner kulinarischen und sportlichen Selbstzüchtigung - die allerdings in Ermangelung einer Waage nach wie vor per Augenmaß geschätzt werden. Oder davon, wie Grillgut und die Kunst, bei voller Fahrt über den Lenker vom Rad abzusteigen meine Bemühungen in Sachen Fitness torpediert haben.

Vielleicht hätte ich auch erzählen können, wie die Erlanger Radfahrer wieder einmal unter Beweis gestellt haben, dass sie sich mit Buttermilch eine Stufe auf der geistigen Evolutionsleiter teilen. Zumindest nehme ich stark an, dass Leute nicht besonders intelligent sein können, die trotz intensivem, gegenseitigen Blickkontakt mit einem potentiellen Kollisionsobjekt das Vorfahrtsrecht einfach ignorieren. Naja, deshalb hab ich die Dame dann ja auch knapp und fast freundlich auf das Rechts-vor-Links-Prinzip hingewiesen - nachdem wir per Vollbremsung auf Tuchfühlung gegangen sind. Und auch in Sachen Weitsicht bekleckert man sich hier nicht gerade mit Ruhm. Wenn es vor der Unterführung bergab geht, kann man natürlich aufhören, in die Pedale zu treten. Schließlich geht's ja bergab, da kann man sich erholen. Oder aber man nutzt die Gelegenheit um Schwung zu holen, damit man auf der anderen Seite, wo es - völlig unerwartet - wieder bergauf geht, nicht keuchend und schlingernd die Menschen mit einem positiven IQ behindert.

Ich hätte auch erzählen können, wie eine höhere Macht ganz offenbar Gefallen daran gefunden hat, mich durch die strategische Positionierung schwarzgewandeter Schönheiten abzulenken. Die Konsequenzen reichen dabei vom fahrlässigen Unaufmerksamkeit in diversen Studienveranstaltungen über spontan eintretende kommunikative Unzulänglichkeiten bis hin zum erhöhten Todesrisiko, etwa beim Hochgeschwindigkeitsslalom in der Erlanger Fußgängerzone. Aber was will man machen - jetzt wo die wärmeren Temperaturen auch die dunklere Seite der Damenwelt zur Stoffminimierung bewegen, muss man als aufrichtiger Gentleman die Ladies eben besonders aufmerksam begutachten - um sie gegebenenfalls auf Sonnenbrand oder Hautrötungen aufmerksam machen zu können.

Wie man sieht, lassen sich all diese Kleinigkeiten ganz gut als Füllmaterial für einen Eintrag wie den heutigen verwenden. Für eine eigene erschöpfende Betrachtung hat es aber nicht gereicht. Und bevor ich mir was völlig Bescheuertes aus den Fingern sauge, warte ich lieber, bis mir der Alltag diesen Ball zuspielt - das bedarf wesentlich weniger kreativer Anstrengung und ich kann alle Schuld von mir weisen, was absurden Inhalt und manifeste Sinnlosigkeit anbelangt.

Nun gut, so viel also zur Bloglosigkeit der letzten Tage. Mal sehen, ob die kommende Woche das Ruder rumreißen kann oder ob das GuNblog weiter in den gähnenden Abgrund der Nutzlosigkeit abgleitet. Aber ich bin recht zuversichtlich, was das angeht; nicht zuletzt wegen einer kleinen, düsteren Eingebung, dass mein baldiges Feldforschungspraktikum in einer wüsten Keilerei und erbarmungslosen Schimpftirade enden wird - schließlich gehts in die vierte Klasse der hiesigen Grundschule.

GuNNy
13.5.06 19:23


[6.] Straßenschlacht

Das Verhältnis zwischen Autofahrern, Radfahrern und Fußgängern ist bekanntlich nicht gerade harmonisch; seit Äonen kommt es kontinuierlich zu Konflikten zwischen den Parteien. Und doch ist es bisher noch nicht zu organisierten Massenschlägereien zwischen militanten Angehörigen der Gruppen gekommen. Das lässt nur einen Schluss zu: Es muss so etwas wie einen minimalen Grundkonsens geben, der es erlaubt, dass alle mehr oder minder friedlich in der wunderbaren Welt des Straßenverkehrs koexistieren.

In Erlangen ist alles anders. In Erlangen ist Krieg. Hier köchelt keine latente Abneigung gegen andere Verkehrsteilnehmer vor sich hin - hier brodelt auf den Straßen der blanke Hass eines jeden gegen jeden. Rücksicht ist ein Fremdwort, Verkehrsregeln sind Auslegungssache und meine Wenigkeit ist mitten drin statt nur dabei.

Wie immer schaffe ich es, exakt fünf Minuten zu spät aus dem Haus zu kommen. Manchmal frage ich mich, woher ich diese Gabe habe. Oder ob ich mir ein Superheldenkostüm schneidern sollte, um sie dann zum Wohle der Menschheit einzusetzen. Ich behalte den Gedanken im Hinterkopf und schwinge mich hektisch auf mein Bike. Die Musikkonserve donnert los und ich starte in Richtung Uni. Die fünf Minuten aufzuholen sollte kein Problem sein...

Ist es eigentlich auch nicht. Wären da nicht die beiden Rentner die sich direkt vor mir ein rasantes Kopf-an-Kopf-Rennen bei halsbrecherischen 5 km/h liefern. Wodurch sie den kompletten Radweg blockieren. Offenbar sind die beiden so im Adrenalinrausch, dass sie mich nicht bemerken, geschweige denn vorbei lassen. Mangels Klingel muss ich mich anderweitig bemerkbar machen. Kein Problem. Unmittelbar hinter den beiden Silberpfeilen schalte ich in einem Wimpernschlag drei Gänge runter. Meine Kette rattert über die Zahnkränze und klingt dabei wie ein Maschinengewehr mit Keuchhusten. Die beiden Senioren reißen vor Schreck die Lenker zur Seite. Ich jage zwischen ihnen hindurch.

Wie ein Geisteskranker strampelnd erreiche ich eine Kreuzung. Rechts vor Links. Ich komme von rechts. Das stört die drei Tonnen Guss-Eisen mit dem Volvo Logo kein bisschen. In Sekundenbruchteilen berechne ich mittels hochkomplizierter mathematischer Gleichungen aus den Bereichen Kinetik, Gravitationstheorie und Quantenelektrodynamik, dass ich vermutlich mit meinem Bike zu einem symbiotischen Brikett gepresst würde. Ich bremse scharf. Der Volvo rauscht vorbei. Ich fluche. Ausgiebig.

Schließlich erreiche ich die Stadt. Bald erspähe ich einen Pulk aus Anzügen, der mir entgegenwabert. Kein Problem, die Gehsteige sind großzügig dimensioniert und die Radwege farblich klar gekennzeichnet. Doch Siemens muss räumliches Sehen und Farbtüchtigkeit aus den Einstellungskriterien gestrichen haben; die Krawattenträger schwärmen über die komplette Breite des Bordsteins aus. Selbstverständlich machen die Herrschaften keinerlei Anstalten, sich vom Radweg zu entfernen, als sie mich erblicken. Wessen Sekretärin den besseren Kaffee kocht, ist viel interessanter als dieser entgegenkommende Radfahrer auf Kollisionskurs. Vielleicht schnüren ihnen ihre Schlipse ja auch einfach die Luftzufuhr zum Gehirn ab. Im letzten Moment steige ich voll in die Eisen und weiche dem Rudel aus. So knapp wie möglich.

Allen Widrigkeiten zum Trotz bin ich fast an der Uni angekommen - erstaunlicherweise körperlich unversehrt und kaum zu spät. Jede Gruppe hatte ihren Gastauftritt; Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger haben wieder mal alles gegeben. Doch um einen waschechten GuNNy aufzuhalten, braucht es schon etwas mehr als nur den ganz normalen Erlanger Verkehrswahnsinn.

... Hat mich da gerade wirklich ein Go-Kart überholt?!

GuNNy
4.5.06 23:17


[5.] Calorie Crusade

In der GuNNy'schen Mythologie ist so Manches anders als in den Geschichten, die sich vermeintliche Hochkulturen oder dubiose Wissenschaftler zusammengesponnen haben. So wurde das Universum beispielsweise weder von irgendeinem göttlichen Wesen erschaffen, noch in einem abstrusen Urknall geboren; vielmehr war es vor einiger Zeit mal Beilage einer drittklassigen Cornflakes-Sorte. Und auch das, was über Adonis erzählt wird, ist purer Unsinn. Der Gute war gar kein fescher, griechischer Jüngling - sondern ein bösartiger, skandinavischer Waschbär.

Wie auch immer, ich wette, weder Jüngling noch Waschbär hatten was an ihrem Körper auszusetzen. Dem Jüngling stand eine profitable Nebenbeschäftigung als Waschbrett offen und dem Waschbären konnte seine Wampe herzlich egal sein - sie hatte die vollste Billigung der Damenwelt. Schlecht nur, dass ich weder Ersteres noch Letzteres von mir behaupten kann. Ganz offensichtlich bleibt mir also nichts anderes übrig, als der unästhetischen Körperform den Kampf anzusagen und aus einem Party-Fässchen einen Six-Pack zu zaubern. Gut ist hingegen, dass ich weder die Nahrungspräferenzen des gemeinen Waschbärs für Insekten und Würmer noch das Interesse eines antiken Griechen für zarte Knaben teile...

Und so beginnt ein heiliger Kreuzzug gegen alle Essgewohnheiten, die dem großen Plan entgegenstehen. Die exzessive Beziehung zur Tiefkühlpizza wird auf Eis gelegt, der Sandwich-Toaster als unflätiger Komplize gleich mit verbannt. Vormittags-, Mittags-, Zwischen-, Nachmittags-, Vorabend-, Abend-, und Vollmond-Snack werden ersatzlos gestrichen. Statt dessen gibts - zur Not auch erst um 12 Uhr - irgendwas Frühstücksartiges und abends dann was Warmes zwischen die Zähne. Hier ist nichtsnutziges Junk Food Vergangenheit - leichte Küche wie "Putenbruststreifen an gemischtem Salat" oder "Langkorn- und Wildreis mit Kokos-Curry und Mango" steht auf dem Speiseplan. Das hat zwar den netten Nebeneffekt, dass man mehr übers Kochen lernt als beim unmotivierten Herumrühren in Fertiggerichten, die jedoch hatten immerhin eine erheiternde Ähnlichkeit mit Industriekleister aufzuweisen. Die mangelnde Männlichkeit der genannten Gerichte wird übrigens durch entsprechendes Verhalten bei deren Herstellung und Verzehr kompensiert - beispielsweise maskulines Grunzen und Essen mit den Fingern.

Nach der Schein-Invalidität der Semesterferien wird jetzt auch wieder die uralte Kunst der Selbstbewegung in den GuNNy'schen Alltag integriert. Mit dem Bike gehts die ewige Strecke zur Uni und zurück - fürs akademische Nickerchen auch in den Zwischenstunden. In Joggingschuhen gehts im Sonnenuntergang über die weiten, grünen Auen von Erlangen-Bruck - keuchend wie ein kettenrauchender Asthmatiker und fluchend wie ein gottloser Fuhrknecht. Damit der Muskelkater in den Beinen nicht an Vereinsamung eingeht, wird auch der Oberkörper mit Sit-Ups und Liegestützen misshandelt. Und da die Selbstgeisselungseffizienz noch ausbaufähig ist, wird zur Steigerung der sportlichen Leistungsfähigkeit auch noch das Rauchen komplett eingestellt - zumindest unter der Woche, mann muss es ja nicht übertreiben mit dem Gesundheitswahn...

Man darf gespannt sein, wie und wann all diese heroischen Strapazen Früchte tragen. Dann geht es in ansehnlicher Form wieder unter die strengen Augen der holden Weiblichkeit - Luftknappheitsbedingte Hirnschäden durch Baucheinziehen ausgeschlossen. Hoffen wir nur, dass es bis dahin nicht schon wieder Zeit für warme, dicke Pullover ist ...

GuNNy
1.5.06 22:23


[4.] Reine Formsache

Bisher war die Vorstellung, die der Frühling abgeliefert hat, nicht gerade berrauschend. Angenehme Temperaturen und die freizügige Frühjahrsmode für Damen reichten angesichts launischer Wetterumschwünge und dem abstoßenden Missbrauch der neuen Freizügigkeitswelle durch Ästhetik- Terroristinnen allenfalls für ein apathisches Schulterzucken auf der nach oben offenen GuNNy'schen Begeisterungsskala. Naja, hätte schlimmer kommen können. Doch da wäre noch eine Kleinigkeit...

Beherzt greife ich nach dem schwarzen Hemd. Größe M. Kurze Ärmel, frühlingstauglich. Sollte passen, hat's früher schließlich auch. Ich gehe noch schnell in die Umkleidekabine. Nicht um zu sehen ob es passt - natürlich wird es passen - sondern ob es optisch okay ist. Als ich es anziehe, stutze ich. Verdammt, ich glaub ich hab eins in S erwischt. Deswegen erfordert das Zuknöpfen so abnormal viel rohe Gewalt . Deswegen hab ich gewisse Ähnlichkeit mit einer Presswurst aus den Untiefen der Hölle. Das wird es sein. Ich hab mich verguckt. Das Etikett schlägt mir kalt lächelnd mit dem Handrücken ins Gesicht: M.

Wieder zuhause sitze ich in meinem neuen Hemd - Größe L - da und überlege, wessen Schuld das ist, was da gerade passiert war. Ich schwöre, nicht eher zu ruhen, bis ich die Verantwortlichen gefunden und ihrer gerechten Strafe zugeführt habe - und wenn das Letzte ist, was ich tue! Ich werde sie mit loderndem Zorn richten, auf dass sie brennen sollen in den ewigen Feuern der ...

Momentmal. Könnte es etwa sein, dass die Wampe vom letzten Semester herrührt, in dem ich mich mehr für die neuesten Forschungen und Entwicklungen in Sachen Junk Food als für meine Psychologievorlesungen interessiert habe? Oder von den zwei Monaten Semesterferien, in denen ich hauptsächlich zwischen Computer, Kühlschrank und Bett hin und her gependelt bin?

Ich beschließe, dass es unnötig und übertrieben ist, sich weiter mit der Frage der Schuld zu beschäftigen. Mir wird klar, dass ich stattdessen einen teuflischen Plan brauche, um die Verwechslungsgefahr mit einem untersetzten Waschbären in Schwarz zu reduzieren und in der Öffentlichkeit auch ohne weite, schwere Pullover wieder ein ordentliches Bild abzugeben - insbesondere in den kritischen Augen des zarten Geschlechts. Das wird ein Spass. Danke, Frühling. Ganz toll. Ehrlich.

GuNNy
29.4.06 14:37


[3.] Aesthetic Studies

Okay, ich gebe zu, dass Radfahren bei warmer Frühlingssonne wesentlich angenehmer ist als bei einem arktischen Schneesturm. Zudem ist es nicht ganz so schmerzhaft und signifikant weniger lebensgefährlich. Das wirft auf den ersten Blick ein durchaus positives Licht auf den Frühling. Aber wenn man mal genauer hinschaut, wird einem schnell klar, dass man diese Annehmlichkeiten nicht gerade umsonst bekommt...

Verschwunden sind die wagemutigen Amateur-Artisten auf ihren tollkühnen Drahteseln, die allerorts die Massen mit ihren akrobatischen Manövern berauschten - natürlich gratis, getrieben nur von eigenem Ehrgeiz, Glätte und Schwerkraft. Weg ist der adrenalingeschwängerte Nervenkitzel, dass die Fahrt zum Supermarkt drei Häuserblocks weiter die letzte sein könnte, die man jemals unternimmt. Hinfort ist das himmlische Gefühl der Schwerelosigkeit, Sekunden bevor man mit dem Gesicht auf dem nicht geräumten Radweg aufschlägt ...

Aber gut, dafür bringt uns der Frühling immerhin Wärme und Sonne, das ist doch schonmal ein Anfang. Und tatsächlich, als ich gestern mittags durch die Erlanger Innenstadt radle, stelle ich zu meinem Entzücken fest, dass ein Großteil der holden Weiblichkeit seine Kleidung den warmen Temperaturen angepasst hat. Überall blitzen mir tiefe Dekoltées, hauchdünne Spaghettiträger und funkelnde Bauchnabelpiercings entgegen. So begutachte ich also die ein oder andere Passantin - ausschließlich aus wissenschaftlichem Interesse an der neuen Frühjahrsmode, versteht sich - und fahre hie und da beinahe einige achtlose Passanten über den Haufen, von denen erstaunlich viele auch Modewissenschaftler zu sein scheinen. Der Frühling scheint doch nicht so schlecht zu sein, wie ich anfangs dachte.

Oder vielleicht doch? Rasch merke ich, dass ich mich zu früh gefreut habe. Denn nicht nur die Mädels, die es sich erlauben können, haben sich in ihre neuen Frühjahrsfummel geschmissen. Auch die, die das Geld lieber in ein Fitnessvideo hätten investieren sollen - oder einen Fotoband über Ästhetik. Ich frage mich, wann es aus der Mode gekommen ist, seinen Körper zumindest halbwegs in Form zu bringen, bevor man ihn in knapper Kleidung der Öffentlichkeit präsentiert ...

Bei den gutaussehenden Gothic Ladies gelten übrigens andere Regeln: Auch bei wärmsten Sonnenschein geht nichts ohne Ranger-Stiefel, bodenlange Röcke und wenig zeigefreudige Oberteile. Ich frage mich, ob den Mädels in Schwarz nicht verdammt heiß sein muss, vermute dann aber, dass ihre sexy-kühle Aura die aufstauende Hitze wohl noch komplett kompensieren kann. Man darf aber gespannt sein, ob sich da bei steigenden Temperaturen nicht auch noch ein bisschen was an der Kleidung tut. Zu hoffen wärs - natürlich nur im Interesse der Gesundheit der Damen. Mit einem Hitzschlag ist nicht zu spaßen...

Die weniger ästhetisch geformten Geschöpfe der Nacht kopieren übrigens zum Großteil den unverantwortlichen Kleidungsstil ihrer Mainstream-Pendants. Nur in Schwarz. Leider.

Alles in allem ein durchwachsener erster Eindruck, den der Frühling hier hinterlässt. Nächstes mal fahren wir mit der Betrachtung fort. Da schauen wir uns mal an, welche Konsequenzen das sonnige Wetter für den handelsüblichen GuNNy hat. Denn der muss seinen Körper auch erstmal formen, so wie oben beschrieben. Nicht weil er sonst um die Glaubwürdigkeit fürchten müsste, die er nie hatte. Sondern weil irgendwo just in diesem Moment ein süßes GuNNy-Weibchen vor ihrem PC sitzt und über ihre Abneigung gegen unästhetische Männerkörper bloggt...


GuNNy
26.4.06 23:11


[2.] So long, Little Siberia...

Nach nunmehr zwei Monaten mutwilliger Untätigkeit sind die Semesterferien endlich vorbei. Nun gilt es wieder eifrig zu studieren. Oder zumindest regelmäßig in die Uni zu fahren. Schließlich wollen wir es mal nicht übertreiben mit dem akademischen Tatendrang. Den habe ich übrigens von eBay - billig, neuwertig, ohne Garantie.

Und so setze ich mich gestern morgens also auf mein Bike (erschreckender Weise weder verrostet, kaputt noch zu feinem Staub zerfallen) und gurke los. Bald darauf überkommt mich dieses komische Gefühl, dass irgendwas fehlt. Nach kurzem Grübeln trifft es mich wie Mike Tyson seine Ehefrau: schnell, hart und mitten ins Gesicht.

Meine Finger lassen die höllischen Schmerzen heute mal ausfallen, meine Innenschenkel gefrieren nicht, mir kommen keine Soldaten der 6. Armee auf dem Weg in sowjetische Kriegsgefangenschaft entgegen und keine Naturgewalt versucht mir zu beweisen, wer von uns beiden die Hosen an hat...

Es ist Frühling. Und angenehm warm. Die Straßen sind eisfrei und sauberer als mein Fußboden. Ich fahre hemdsärmlig durch eine sanfte Brise und blühende Vorstadtgärten, die verblüffende Ähnlichkeit mit dem sibirischen Ödland haben, das letztes Semester noch hier war. Ich frage mich, wo es hin ist. Wahrscheinlich fertig mit dem Studium und bei Siemens eingestiegen...

Ich muss zugeben, es ist ein nettes Gefühl, sich keine Gedanken machen zu müssen, ob man gerade einem grausamen Tod entgegenradelt, der sich in der nächsten Wolkenfront oder auf dem Asphalt der nächsten Kurve versteckt. Es ist - zumindest fürs Karma - sicherlich auch nicht schlecht, keine Kindern oder Rentner auf ihren Rädern durch Kurven treiben zu müssen, um zu prüfen, ob sie zu glatt für Radfahrer sind. Und nicht völlig dreckverkrustet in der Uni aufzutauchen, weil die Schutzbleche vor mehreren tausend Litern Schlamm, Matsch, Eis, Schnee, Salz, Streukieseln und Blut (v.a. von Kindern und Rentnern in Kurven) kapitulierten, ist sicherlich auch positiv erwähnenswert.

Klingt also ganz so, als wäre der Frühling eine tolle Jahreszeit. Grund genug, ihn mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Morgen in BILD... äh, GuNblog.

GuNNy
25.4.06 22:39


[1.] Und nun?

Hier sitze ich also vor meinem frisch geschaffenen Blog und frage mich ernsthaft, wo genau das eigentlich hinführen soll...

Als ich heute nach Hause radelte und sich meine Gedanken wiedermal mit der unglaublichen Geschwindigkeit von gehbehinderten Betonklötzen überschlugen, kam sie mir: die glorreiche Idee, nicht nur meine unmittelbare Umwelt mit meinen geistreichen Kommentaren und stets immens interessanten Alltagsanekdoten zu erfreuen, sondern auch Leute damit zu belästigen, die hunderte von Kilometern entfernt sind. Da Telefone was für Mädchen und alte Menschen sind und die Massenoffenbarung per Instant-Messenger viel zu viel Aufwand meinerseits erfordern würde, blieb eigentlich nur eine vernünftige Möglichkeit: Rauchzeichen aus brenneneden Autoreifen.

Nach einigen Verbalinjurien von hinterm Gartenzaun und einem kurzen Handgemenge mit Mitgliedern der örtlichen freiwilligen Feuerwehr wurde dieser Plan aufgegeben und statt dessen das Bloggen als Alternative in Betracht gezogen.

So ein Ding war überraschend schnell erstellt und alsbald tippte ich auch schon munter die ersten Zeilen ... und löschte sie wieder ... und tippte sie wieder ... löschte sie wieder und so weiter und so fort.

Es ist gar nicht mal so einfach, so ein Blog zu schreiben. Klar, irgendwelchen stumpfen Nonsens eintippen kann auch Mojo, der lustige Schimpanse, aber wenn man sich mal ein paar Gedanken macht über das, was man da eigentlich fabriziert sieht die Sache schon ganz anders aus. Es drängen sich Fragen auf wie:

- Nur weil ich heute meine geistigen Eskapaden als bloggenswert erachte, bedeutet das, dass sich das künftig regelmäßig wiederholt?
- Wird das Blog länger als zwei Tage überleben oder wird es an akutem Desinteresse zugrunde gehen wie meine Zimmerpflanzen, Sportaktivitäten und Weltherrschaftspläne?
- Will überhaupt jemand diesen Schund lesen? ... wartet, streicht das, das ist mir im Prinzip egal, ich ZWINGE die leute einfach dazu.
- Wenn Gott gewollt hätte, dass wir Hosen tragen, warum steht in der Bibel kein Wort über Jeans oder Cargos?

Da ich trotz meiner unglaublichen Weisheit und des Wochenendkurses im Wahrsagen keine Antworten auf diese Fragen präsentieren kann, bleibt nur eins: Abwarten und Blog schreiben. Die Zeit wird zeigen, ob das hier was wird, oder ob diese Idee im Rundordner landet - zusammen mit meinen Plänen von Interkontinentalreisen per Katapult oder kohlebetriebenen Solarzellen.

In diesem Sinne, viel Spass beim Lesen und Kommentieren...

GuNNy
24.4.06 15:32


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